Wenn das Leben plötzlich auf die Bremse tritt – und warum der Donnersberg warten muss
Eigentlich hätte hier heute etwas ganz anderes stehen sollen.
Eigentlich hätte ich dich heute mitnehmen wollen. Hoch auf den Donnersberg. Zwischen alte Pfade, raue Felsen, vergessene Geschichten und genau diese Momente, für die „Der Bruce“ irgendwann einmal entstanden ist.
Denn nach langer Zeit gab es endlich wieder etwas zu feiern:
Ich habe meinen Führerschein bestanden.
Für viele ist das einfach nur ein Führerschein.
Für mich war es ein Ziel, auf das ich lange hingearbeitet habe. Ein Moment, der sich nach Freiheit angefühlt hat. Nach Aufbruch. Nach: Jetzt geht’s endlich wieder vorwärts.
Und genau als ich wieder Vollgas geben wollte — kam das Leben mit einer ziemlich klaren Ansage dazwischen.
Ein doppelter Bandscheibenvorfall auf Höhe L2/L3 und S1.
Die Schmerzen machen mir aktuell deutlich klar, dass mein Körper gerade andere Pläne hat als mein Kopf.
Deshalb wird es hier gerade etwas ruhiger.
Nicht, weil mir Ideen fehlen.
Ganz im Gegenteil.
Aber manchmal ist es klüger, einen Gang zurückzuschalten, bevor man sich komplett ausbremst.
Am 20. Mai steht deshalb meine Operation an.
Und auch wenn ich davor Respekt habe, sehe ich es vor allem als das, was es hoffentlich wird:
Ein Schritt zurück… damit es danach wieder nach vorne gehen kann.
Warum mir der Donnersberg so wichtig ist
Und genau deshalb trifft es mich doppelt, dass ausgerechnet jetzt die Donnersberg-Reihe warten muss.
Denn der Donnersberg ist für mich nicht einfach nur ein Berg in der Pfalz.
Er ist ein Stück Kindheit.
Ein Stück Heimat.
Ein Stück Geschichte.
Schon Ende der 80er Jahre war ich dort unterwegs — lange bevor viele Menschen den Donnersberg nur mit Kelten, Wanderwegen oder seinem vulkanischen Ursprung verbunden haben.
Für mich hatte dieser Ort schon damals eine andere Magie.
Eine rauere.
Eine stillere.
Eine, die nach Geschichte roch.
Denn der Donnersberg stand damals auch für etwas anderes.
Für den Kalten Krieg.
Für Orte wie Thunder Mountain. Für eine Zeit, in der amerikanische Präsenz dort oben noch mehr war als eine Randnotiz in Geschichtsbüchern.
Als Kind habe ich vieles davon noch nicht wirklich verstanden.
Aber ich habe gespürt, dass dort oben mehr war als nur Wald und Felsen.
Erinnerungen, die bleiben
Und vielleicht ist genau das der eigentliche Grund, warum mir diese Reihe so viel bedeutet.
Ich war damals oft mit meinen Urgroßeltern dort.
Ich weiß heute nicht einmal mehr, wie diese alte Gaststätte hieß.
Aber ich weiß noch ganz genau, wie sie sich angefühlt hat.
Schon wenn man die Tür öffnete, schlug einem diese Mischung aus Holz, Kaminfeuer und ehrlicher Pfälzer Küche entgegen.
Die Einrichtung war rustikal. Dunkles Holz. Keine Hochglanz-Deko. Kein moderner Schnickschnack. Einfach ein Ort mit Charakter.
Draußen zog langsam der Herbst über den Donnersberg.
Während unten im Tal oft noch angenehme Temperaturen herrschten, war es dort oben schon spürbar kühler. Die Luft roch nach feuchtem Laub, nach Wald… und nach diesem ganz eigenen Gefühl von Pfälzer Herbst.
Und drinnen…
Da stand dieser große Kamin.
Ich sehe das Feuer heute noch vor mir.
Das Knacken des Holzes.
Die Wärme, die langsam durch den Raum zog.
Meine Urgroßeltern neben mir.
Und dann kam mein Essen.
Schon als Kind war das mein absoluter Favorit:
Leberknödel mit Sauerkraut und Graubrot.
Klingt vielleicht nicht nach typischem Kinderessen.
Aber hey…
typisch Pfalzkind eben.
Wenn ich heute daran denke, schmecke ich diese Erinnerung fast noch genauso wie damals.
Draußen irgendwo die Geschichte des Kalten Krieges…
und drinnen dieses Gefühl von Sicherheit, Wärme und Heimat.
Damals konnte ich nicht wissen, dass mich dieser Ort Jahrzehnte später immer noch begleiten würde.
Aber genau deshalb ist die Donnersberg-Reihe für mich nicht einfach nur ein Outdoor-Projekt.
Sie ist mehr.
Sie ist eine Reise.
Zu Erinnerungen.
Zu Geschichte.
Zu vergessenen Orten.
Zu den Kelten.
Zu den Spuren seines vulkanischen Ursprungs.
Zu alten Militärgeschichten.
Zu Wanderwegen, die mehr erzählen, als viele auf den ersten Blick sehen.
Und vielleicht…
auch zu einem kleinen Teil meiner eigenen Geschichte.
Schau auch mal auf dieser Page vorbei:
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Verschoben heißt nicht aufgehoben
Die Donnersberg-Reihe war eigentlich längst in den Startlöchern.
Aber genau weil mir dieses Projekt so wichtig ist, werde ich es nicht halbherzig zwischen Schmerzen und Schonhaltung irgendwie herunterarbeiten.
Dieser Ort verdient mehr.
Diese Geschichten verdienen mehr.
Und ihr verdient mehr.
Deshalb wird die Reihe nicht abgesagt.
Sie wird verschoben.
Bis ich wieder auf den Beinen bin.
Bis ich wieder raus kann.
Bis ich diesen Ort so erzählen kann, wie er es verdient.
Nicht schnell.
Nicht oberflächlich.
Sondern so, wie es Bruce eben macht.
Mit Herz.
Mit Geschichte.
Mit echten Erinnerungen.
Und mit Respekt vor Orten, die langsam verschwinden, wenn niemand ihre Geschichten weitererzählt.
Denn manchmal besteht Abenteuer nicht darin, Berge zu erklimmen.
Manchmal besteht Abenteuer einfach darin…
nicht aufzugeben.
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